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- Aktuelles aus Drispenstedt -

Neue Ladenzeile in Drispenstedt wird teurer

Die allgemeine Inflation und das Verhalten einiger Monopolisten machen auch in Hildesheim einiges teurer. Bei größeren Projekten können Millionen Euro zusätzlich anfallen.

Der Neubau der Ladenzeile in Drispenstedt wird die Gemeinnützige Baugesellschaft gbg wohl erheblich mehr Geld kosten als bisher geplant. Drastische Preissteigerungen bei vielen Baustoffen, höhere Löhne und ausgebuchte Firmen könnten dafür sorgen, dass auch die bisherige Kalkulation für das neue Einkaufszentrum an der Ehrlicherstraße ins Wanken gerät.
„Wir wissen, dass es teurer wird", bestätigt gbg-Geschäftsführer Jens Mahnken. Allerdings könne er noch nicht sagen, um wie viel. „ Aber wir hoffen, dass wir noch einmal mit einem blauen Auge davon kommen."
Die gbg will 40 Millionen Euro in den Abriss und den Neubau der Ladenzeile an der Ehrlicherstraße investieren. Innerhalb von fünf Jahren sollen zwischen der Hermann-Seeland- und der Jordanstraße neue Geschäfte, Wohnungen, Praxen und eine Tiefgarage entstehen. Nach allem was man weiß, könnte die gbg am Ende aber weitere MUlionen benötigen, um das Projekt auch zu beenden.
Laut Hauptverband der deutschen Bauindustrie ziehen die Preise für Bauleistungen seit Anfang 2021 vor allem wegen steigender Preise für Materialien an. So ist der Preis für Betonstahl im Jahresdurchschnitt um mehr als 50 Prozent, der für Bitumen um mehr als ein Drittel und der für Dämmplatten um ein Fünftel gestiegen. Der Preis für Bauholz habe sogar um mehr als 60 Prozent zugelegt.
„Diese Preissteigerungen sind überwiegend auf Lieferengpässe, und nicht auf einen coronabedingten Preisrückgang im Jahr 2020 zurückzuführen", heißt es vom Verband.
„Wir haben leider auch keinen Einfluss auf diese Preisgestaltung", bestätigt Karl Hoffmeister, Vizepräsident des Baugewerbeverbands Niedersachsen und Geschäftsführer der Karl Hoffmeister GmbH in Lamspringe. Die Preise würden von einer Handvoll Monopolisten diktiert - und müssten von den Baufirmen und letzten Endes von den Kunden bezahlt werden. „Das macht uns Bauleuten auch keinen Spaß."
Hoffmeister geht aber davon aus, dass die Preise irgendwann wieder sinken werden. Aktuell breche die Bautätigkeit um etwa ein Drittel ein. „Dann gehen bald auch wieder die Preise nach unten", glaubt Hoffmeister. Der Grund für die zurück gehenden Bautätigkeiten sei aber nicht nur der steigende Preis. Der Bund habe KfW-Programme für Privatpersonen gestoppt, daneben hätten sich die Zinsen für Hypotheken verdoppelt. Als Folge gingen die Bauprojekte deutlich zurück.
„In Deutschland werden in diesem Jahr etwa 100.000 Wohnungen weniger gebaut als geplant", sagt Hoffmeister. Geplant waren ursprünglich 400.000 Wohnungen. Doch drastischer werde es wohl im kommenden Jahr. Hier geht der Verband von nur noch 230.000 Wohnungen aus.Mit erheblichen Mehrkosten muss aber nicht nur die gbg rechnen. Auch alle anderen Bauherren sind davon betroffen - vor allem solche, die Großprojekte planen. Auf viele von ihnen kommen jetzt erhebliche Mehrkosten zu.
„Wir prüfen gerade, inwieweit das Auswirkungen auf unsere Umbaupläne für das Mariano-Josephinum haben wird", sagt etwa der Sprecher des Bistums, Volker Bauerfeld. Das Bistum will parallel zur Fusion der beiden katholischen Gymnasien Marienschule und Josephinum rund 30 Millionen Euro in den Um- und Neubau von Gebäudeteilen im Brühl und am Domhof stecken. Was an dieser Stelle finanziell gesehen zusätzlich auf das Bistum zukommt, ist laut Bauerfeld noch nicht klar.
„Aber natürlich nehmen wir die derzeitige Entwicklung wahr."
Wie das Bistum wollen offenbar auch alle anderen Bauherren, die im zweistelligen Millionenbereich investieren wollen, an ihren Plänen festhalten.
„Wir wollen planmäßig anfangen", bestätigt gbg-Chef Mahnken. Bei der Ladenzeile ist dies besonders wichtig, weil die gbg hier auch Vertragspartnern wie Rossmann verpflichtet ist. Wie es mit dem Einkaufszentrum weitergeht, steht am Dienstag, den 31. Mai 2022, auch auf der Tagesordnung des nächsten Ortsrats in Drispenstedt. Von 18:00 Uhr an wollen Vertreter der gbg im Stadtteiltreff berichten.

© SIR... Dieter Sander