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- Neubau des Stadtteilzentrums in Drispenstedt -

Streit über schwergängige Tür kocht hoch

Bericht in „Hildesheimer Allgemeine Zeitung
vom 13. Juni 2026 :

Die 91-jährige Frau muss schon ziemlich ziehen, um die untere Eingangstür der vor Kurzem umgezogenen Gemeinschaftspraxis im Drispenstedter Einkaufszentrum zu öffnen. Mit der einen Hand hält sie die schwere Tür auf, mit der anderen rangiert sie ihren Rollator über eine kleine Schwelle. Das Ganze dauert nur Sekunden. Aber die kleine Tür sorgt inzwischen trotzdem für großen Ärger im Stadtteil. Schließlich sind es vor allem ältere Menschen, mitunter auch solche mit Behinderungen, die regelmäßig die Dienste der dort praktizierenden drei Ärztinnen in Anspruch nehmen.
Der Behinderten- und Inklusionsbeirat der Stadt findet jedenfalls deutliche Worte.
„Dass hier so ein Vorzeigeobjekt gemacht wird und es am Ende vergeigt wird, geht gar nicht“, sagt Silke Buchborn vom Beirat.
Mit Vorzeigeprojekt ist das neu errichtete Einkaufszentrum gemeint, das die gbg Wohnungsbaugesellschaft in den vergangenen Jahren für rund 42 Millionen Euro an der Ehrlicherstraße bauen ließ. Und das am 20. Juni offiziell eröffnet werden soll. An vielen Stellen des Komplexes finden sich automatische Türen und schwellenlose Zugänge – zum Beispiel direkt gegenüber der Gemeinschaftspraxis, wo die Hubertus Apotheke seit ihrem Auszug aus dem Ausweichquartier am Parkplatz ihr neues Domizil bezogen hat. Dass dies auf der anderen Seite nicht möglich war, wundert viele.

Ärztinnen heben das gute Verhältnis zum Vermieter hervor
„Unabhängig von den rechtlichen Fragen stellt sich aus meiner Sicht die grundsätzliche Frage, wie es im Jahr 2026 möglich sein kann, dass in einem neu errichteten Gesundheitsstandort kein barrierefreier Zugang zu Arztpraxen gewährleistet ist“, schreibt etwa Sebastian Lüders an diese Zeitung. Gerade medizinische Einrichtungen würden in besonderem Maße von älteren, mobilitätseingeschränkten oder chronisch kranken Menschen genutzt. Selbst betroffen sei er nicht, erklärt er auf Nachfrage der Redaktion. Bei seinen Besuchen in der Praxis habe er aber bereits die Türen anderen Menschen, die diese nicht selber öffnen konnten, aufgehalten.
„Mit diesen Menschen bin ich dabei ins Gespräch gekommen und habe auch mit der Praxis über das Thema
gesprochen.“
In der Arztpraxis ist man sehr darum bemüht, die im Kern guten Beziehungen zum Vermieter hervorzuheben. „Wir sind froh und dankbar für unsere neuen Praxisräume“, sagt etwa Ärztin Luisa Bachmann. Und man räumt in gewisser Weise auch ein Mitverschulden ein.
„Wir haben vor etwa vier Jahren den Vertrag so unterzeichnet“, berichtet Dr. Jutta Strüber. Die Ärztinnen hätten also ausdrücklich die jetzt verbaute Tür bestellt. Allerdings habe es vor etwa zwei Jahren eine Baubesprechung gegeben, bei der mehrere Experten darauf hingewiesen hätten, dass diese Tür an dieser Stelle im Grunde nicht geeignet sei. Diese Information habe aber keinen Weg zur Gemeinschaftspraxis gefunden. Stattdessen sei es bei der ursprünglich georderten Variante geblieben.

Ärger um schwergängige Türen auch vor Jahren an der Arneken Galerie
Zum Vergleich: Eine Welle der Kritik wegen schwergängiger Türen war auch nach der Eröffnung der Arneken Galerie über die dortige Betreibergesellschaft gerollt. Kundinnen und Kunden hatten beklagt, dass die Türen für ältere Menschen kaum zu öffnen seien. Die Eigentümer besserten nach und statteten eine der Türen mit einem automatischen Öffner aus.
Eine Nachrüstung wäre auch für die beiden Türen in Drispenstedt – hinter der Eingangstür befindet sich eine zweite im ersten Stock – im Westflügel des Ensembles möglich. Allerdings wollen bisher weder die gbg noch die Ärztinnen die Kosten übernehmen. Der Behinderten- und Inklusionsbeirat sieht an dieser Stelle eher die gbg in der Pflicht. Auch deshalb, weil der Zugang im Erdgeschoss nicht ausschließlich zur Arztpraxis führt, sondern auch von weiteren Mietern und der gbg selbst genutzt wird.

gbg würde einen Teil der nachträglichen Kosten übernehmen
Die städtische Tochter stellt in Aussicht, einen Teil der nachträglichen Kosten übernehmen zu wollen. Bei der gbg geht man von einem vierstelligen Betrag aus.
„Rechtlich und technisch bewerten wir dies als nachträglichen Änderungswunsch. Um eine für alle Beteiligten tragfähige Lösung zu ermöglichen, haben wir angeboten, die gewünschte Anpassung kurzfristig umzusetzen und uns an den entstehenden Kosten zu beteiligen“, sagt gbg-Marketingchefin Fenja Nönken. Vollständig übernehmen wolle man die Kosten aber nicht.
Auch die gbg lässt durchblicken, dass die Gemeinschaftspraxis ein wichtiger Mieter im Ensemble sei und ihr deshalb an einer fruchtbaren Zusammenarbeit gelegen sei.
„Deshalb setzen wir weiterhin auf einen sachlichen und konstruktiven Austausch mit allen Beteiligten im Interesse der Patientinnen und Patienten“, so Nönken.
Für den Behinderten- und Inklusionsbeirat passt der Fall zur aktuellen Situation in Hildesheim.
„Hildesheim bekleckert sich derzeit auch an anderen Stellen nicht gerade mit Ruhm, was die Berücksichtigung von Einschränkungen von Menschen mit Behinderungen oder Seniorinnen und Senioren angeht“, findet Silke Buchborn. Die Tür am Einkaufszentrum sei dabei nur ein Fall von vielen.
„Diese Tür geht gar nicht!"